Ich habe noch nie in einer anderen Firma gearbeitet.
35 Jahre artundweise. Vom ersten Tag bis heute. Kein Praktikum bei einer großen Agentur, kein Zwischenstopp bei einem Konzern, kein Vergleichsmaßstab von außen.
Lange habe ich gedacht, dass mir genau das fehlt. Andere Inhaber*innen erzählen, was sie bei früheren Arbeitgebern gelernt und welche Prozesse sie mitgenommen haben, welche Fehler sie nicht wiederholen wollen. Ich habe nichts davon. Mein einziger Erfahrungsraum ist die Firma, die ich selbst aufgebaut habe.
Organisationsentwicklung kenne ich nur aus zwei Perspektiven: aus Büchern und aus unseren Kundenprojekten. Bei unseren Kund*innen sehe ich täglich, wie Teams gebaut werden, wie Prozesse entstehen, wie Veränderung scheitert oder gelingt. Ich bin in dieser Rolle der externe Berater, der die Strategie kennt, aber nicht den Alltag.
Inzwischen weiß ich: Das, was mir fehlt, ist gleichzeitig das, was Ownership erzwingt.
Wenn etwas in unserer Firma nicht funktioniert, kann ich nicht sagen „Bei meinem alten Arbeitgeber haben wir das anders gemacht“. Diesen Satz gibt es bei mir nicht. Wenn ein Prozess hakt, wenn ein Team unzufrieden ist, wenn eine Entscheidung daneben war – die Spur führt ziemlich kurz zu mir. Es gibt niemanden, auf den ich die Verantwortung abschieben kann. Keinen Konzern, keine alte Kultur, keinen früheren Chef.
Das ist unbequem. Aber es ist ehrlich.
Im permanenten Wandel der letzten 35 Jahre – von DTP über Web 1.0 bis zu KI heute – musste ich jede Veränderung selbst verstehen, ohne Blaupause von woanders. Es zwingt mich, jede Entscheidung im Kontext meiner eigenen Firma zu treffen, nicht in der Logik einer anderen.
Und es zwingt zur Selbstkritik. Wenn die Erfolge bei mir starten, starten die Probleme auch dort. Beides gleichzeitig zu akzeptieren, ist die ehrlichste Form von Ownership.
